Warum der Wind auf Madeira selbst moderne Flugzeuge ausbremst
Wer die aktuellen Flugausfälle auf Madeira verfolgt, stellt sich unweigerlich eine Frage: Warum können moderne Verkehrsflugzeuge nicht einfach bei starkem Wind landen?
Die Antwort liegt in der besonderen Geografie der Insel. Der Flughafen Cristiano Ronaldo befindet sich an der Südküste Madeiras. Direkt hinter dem Airport steigen steile Berghänge auf, während sich vor der Landebahn der Atlantik erstreckt. Diese Lage sorgt für außergewöhnlich komplexe Luftströmungen.
Trifft Wind auf die Berge der Insel, entstehen Verwirbelungen, Fallwinde und sogenannte Windscherungen. Dabei können sich Windrichtung und Windgeschwindigkeit innerhalb weniger Sekunden deutlich verändern. Für Piloten entsteht dadurch eine Situation, die selbst mit moderner Technik nur begrenzt beherrschbar ist.
Zwar verfügen heutige Flugzeuge wie der Airbus A320neo oder die Boeing 737 MAX über hochentwickelte Flugsteuerungssysteme, doch auch diese Technik kann die physikalischen Bedingungen nicht außer Kraft setzen.
Deshalb gelten auf Madeira besondere Betriebsverfahren. Wird eine bestimmte Kombination aus Windrichtung und Windstärke überschritten, dürfen Flugzeuge nicht mehr starten oder landen. In solchen Fällen müssen Maschinen ausweichen oder auf bessere Bedingungen warten.
Hinzu kommt, dass Piloten für Madeira spezielle Schulungen absolvieren müssen. Nicht jede Besatzung darf den Flughafen automatisch anfliegen. Die besonderen Wetter- und Geländebedingungen erfordern zusätzliche Ausbildung und regelmäßiges Training.
Die aktuellen Flugausfälle zeigen daher vor allem eines: Nicht die Flugzeuge sind das Problem, sondern die außergewöhnlichen Naturbedingungen rund um den Flughafen.