Pflege auf Madeira: Regierung setzt stärker auf Familien

 

Regionalregierung plant mehr Unterstützung – DREM-Studie zeigt wachsende Belastung pflegender Angehöriger

 

Die Regionalregierung Madeira will die häusliche Pflege deutlich stärken. Sozialministerin Paula Margarido kündigte jetzt mehrere Maßnahmen an, um die angespannte Situation im Gesundheitswesen zu entschärfen.

 

Zunächst sollen 20 Übergangsplätze für Patienten geschaffen werden, die zwar medizinisch aus dem Krankenhaus entlassen werden können, zu Hause aber noch nicht ausreichend versorgt sind. Weitere Plätze sind bereits geplant.

 

Darüber hinaus soll das Statut der informellen Pflegepersonen überarbeitet werden. Erstmals wird dabei auch geprüft, Familien finanziell zu unterstützen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen selbst zu Hause betreuen. Eine endgültige Entscheidung steht zwar noch aus, doch die Regionalregierung hat diese Möglichkeit ausdrücklich in Aussicht gestellt.

 

Hintergrund der geplanten Maßnahmen ist die angespannte Lage im Gesundheitswesen. Nach Angaben der Regionalregierung warten derzeit 53 Patienten auf ein Krankenhausbett, während gleichzeitig Betten von Menschen belegt werden, die medizinisch bereits entlassen werden könnten, deren häusliche Betreuung jedoch noch nicht sichergestellt ist.

 

Dass die häusliche Pflege auf Madeira immer wichtiger wird, bestätigt auch eine aktuelle Studie der Regionalen Statistikbehörde DREM.

 

Danach betreut bereits jeder zehnte Einwohner zwischen 18 und 74 Jahren regelmäßig einen pflegebedürftigen erwachsenen Angehörigen. Damit liegt Madeira deutlich über dem portugiesischen Landesdurchschnitt von 7,1 Prozent.

 

Besonders hoch ist die Belastung vieler Familien: 30,9 Prozent der pflegenden Angehörigen investieren 30 Stunden oder mehr pro Woche in die Betreuung. Auch dieser Wert liegt über dem Landesdurchschnitt.

 

Die Studie zeigt außerdem, dass Familien auf Madeira bei der Kinderbetreuung deutlich seltener auf Krippen oder Kindergärten zurückgreifen als im übrigen Portugal. Gleichzeitig erschweren lange und unregelmäßige Arbeitszeiten vielen Berufstätigen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Für die DREM sind dies deutliche Anzeichen für die Folgen einer alternden Bevölkerung. Immer häufiger übernehmen Familien die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger selbst und stehen dabei vor wachsenden zeitlichen und organisatorischen Herausforderungen.

 

Einordnung der Madeira-Nachrichten

 

Die Ankündigungen der Regionalregierung und die aktuellen DREM-Zahlen zeichnen ein klares Bild: Die Pflege älterer Menschen wird auf Madeira zunehmend zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Während immer mehr Familien Verantwortung übernehmen, sucht die Politik nach Wegen, diese häusliche Pflege künftig stärker zu unterstützen.

 

Auch viele deutschsprachige Residenten auf Madeira beschäftigen sich mit diesen Fragen. Deshalb werden die Madeira-Nachrichten das Thema in den kommenden Wochen mit einer neuen Informationsreihe begleiten. Dabei geht es unter anderem um die Pflegeversicherung im EU-Ausland, häusliche Pflege auf Madeira, Seniorenresidenzen, Pflegeeinrichtungen und die Finanzierung eines möglichen Pflegefalls.

 

Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben und verlässliche Informationen bereitzustellen, damit wichtige Entscheidungen rechtzeitig und gut informiert getroffen werden können.