Eine Million Gäste – und wer besucht eigentlich noch Madeira?
Über eine Million Kreuzfahrtgäste und Besatzungsmitglieder haben Madeira in dieser Saison besucht. Das klingt beeindruckend. Und natürlich bringt jeder Besucher Geld auf die Insel. Hotels, Restaurants, Taxis und viele andere leben schließlich vom Tourismus.
Als Hund freue ich mich über jeden Gast, der freundlich ist. Aber ich frage mich manchmal, wann aus Gästen eigentlich Besucher werden.
Ein Kreuzfahrtschiff legt morgens an. Tausende Menschen strömen durch Funchal, fotografieren den Mercado, trinken einen Poncha, kaufen eine Stickerei – und am Abend verschwindet die schwimmende Stadt wieder am Horizont.
Zurück bleibt eine Insel, die sich immer häufiger fragt, wie viele Rekorde sie eigentlich noch feiern möchte.
Die Regierung spricht von Wachstum.
Die Reedereien von Wertschöpfung.
Die Hafenverwaltung von Auslastung.
Alles richtig, aber
wer spricht eigentlich von den Menschen, die hier leben?
Von den Straßen, die voller werden.
Von den Wohnungen, die teurer werden.
Von den Orten, die ihre Ruhe verlieren.
Vielleicht besteht die eigentliche Kunst nicht darin, jedes Jahr noch mehr Besucher anzulocken.
Vielleicht besteht sie darin, dafür zu sorgen, dass Madeira auch für die Menschen lebenswert bleibt, die nicht nach einer Woche wieder abreisen.
Als Hund habe ich gelernt: Ein Haus wird nicht dadurch gemütlicher, dass immer mehr Besucher kommen.
Manchmal braucht es einfach Platz zum Atmen.
Pablo, der Inselphilosoph