Kinderhandel-Schock auf Madeira:
Insel ist Hotspot für sexuelle Ausbeutung
Laut dem jetzt veröffentlichten Bericht der Expertengruppe gegen Menschenhandel (GRETA) des Europarats sind vor allem Arbeitsmigranten sowie Portugiesen aus sozial benachteiligten Verhältnissen gefährdet, Opfer von Menschenhandel zu werden.
Zwischen 2021 und 2024 wurden in Portugal insgesamt 690 mutmaßliche Fälle von Menschenhandel registriert. Davon bestätigten die Behörden 250 Fälle. Die übrigen Meldungen befinden sich entweder noch in der Prüfung, wurden bereits untersucht oder stammen von Hilfsorganisationen, ohne dass sie offiziell an die Behörden weitergeleitet wurden.
Unter den bestätigten Opfern befanden sich 39 Kinder, darunter drei Mädchen und 36 Jungen. Insgesamt wurden 32 Frauen und 216 Männer als Opfer identifiziert. Die große Mehrheit der Betroffenen stammt aus dem Ausland: Von den 250 bestätigten Opfern waren lediglich 20 portugiesische Staatsbürger, 228 hatten eine andere Nationalität.
Die meisten Fälle stehen laut Bericht mit Arbeitsausbeutung in Verbindung. Insgesamt wurden 233 Fälle dieser Kategorie zugeordnet. Besonders betroffen waren die Region Centro sowie die Bezirke Beja und Braga. Nach Angaben von GRETA werden viele Migranten in ihren Herkunftsländern unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen angeworben und anschließend vor allem in der Saisonlandwirtschaft ausgebeutet. Auch Menschen mit psychischen Problemen oder aus sozial schwachen Verhältnissen gelten als besonders gefährdet.
Mit Sorge beobachten die Experten die zunehmende Betroffenheit von Kindern und Jugendlichen. Viele Fälle stehen im Zusammenhang mit Ausbeutung im Sportbereich. Besonders alarmierend ist jedoch eine andere Entwicklung: Fälle sexueller Ausbeutung von Kindern werden vor allem auf dem Archipel Madeira registriert.
Darüber hinaus warnt der Europarat vor weiteren Risiken für Minderjährige, darunter Früh- und Zwangsehen sowie die Ausbeutung unbegleiteter oder von ihren Familien getrennter Kinder.
Zu den weiteren Risikogruppen zählen Frauen in der Prostitution, obdachlose Menschen sowie Menschen mit Behinderungen. Fälle sexueller Ausbeutung von Frauen wurden insbesondere in den Regionen Lissabon, Porto und Algarve festgestellt.
Trotz der Fortschritte Portugals im Kampf gegen Menschenhandel sieht GRETA weiterhin Handlungsbedarf. Die Experten fordern die Behörden auf, Opfer schneller zu identifizieren und sicherzustellen, dass diese Zugang zu Rechtsbeistand, Schutzmaßnahmen und Entschädigungen erhalten.
„Die Identifizierung der Opfer muss verbessert werden. Zudem muss gewährleistet sein, dass Betroffene Zugang zu Rechtsbeistand und Entschädigungen erhalten“, heißt es in dem Bericht.